Demenz in der Familie: Erste Schritte, Alltag und Entlastung
Zuletzt geprüft am 9. Oktober 2026.
Kurz gesagt
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz – meist werden sie von Angehörigen zu Hause begleitet. Wenn Ihnen Gedächtnisprobleme auffallen, lassen Sie sie ärztlich abklären: Manche Ursachen sind behandelbar. Nach der Diagnose ist jetzt die Zeit für eine Vorsorgevollmacht und den Antrag auf einen Pflegegrad – Demenz zählt dabei voll mit, auch wenn jemand körperlich noch fit ist. Und: Holen Sie sich früh Unterstützung.
Erste Anzeichen – und was dann
Vergisst Ihr Angehöriger Termine, fragt mehrmals dasselbe, findet sich in bekannter Umgebung nicht mehr zurecht oder wirkt verändert? Dann lohnt sich ein Arztbesuch.
- Hausärztin zuerst. Sie macht erste Tests und überweist bei Verdacht an eine Fachärztin für Neurologie oder Psychiatrie oder an eine Gedächtnisambulanz.
- Andere Ursachen ausschließen. Gedächtnisprobleme können auch behandelbare Ursachen haben – etwa eine Depression, eine Schilddrüsenstörung oder Nebenwirkungen von Medikamenten.
- Beobachtungen mitbringen. Notieren Sie vorher, was Ihnen aufgefallen ist und seit wann. Gehen Sie, wenn möglich, mit zum Termin.
Nach der Diagnose: jetzt wichtig
- Vorsorgevollmacht – solange es noch geht. Im frühen Stadium kann Ihr Angehöriger meist noch selbst bestimmen, wer später für ihn entscheidet. So geht’s
- Pflegegrad beantragen. Demenz zählt bei der Begutachtung voll mit. Pflegegrad einschätzen
- Beratung nutzen. Das Alzheimer-Telefon und Pflegestützpunkte beraten kostenlos. Hilfe in der Nähe
- Sicherheit zu Hause. Herd mit Abschaltautomatik, gute Beleuchtung, Stolperfallen weg. Ein Hausnotruf kann helfen. Zu Hause sicher wohnen
Im Alltag: was hilft
- Ruhig und einfach sprechen. Kurze Sätze, eine Frage nach der anderen, Blickkontakt.
- Nicht korrigieren oder streiten. Wer an Demenz erkrankt ist, lebt in seiner eigenen Wirklichkeit. Gehen Sie auf das Gefühl ein, nicht auf den Fehler.
- Feste Abläufe geben Halt. Gleiche Zeiten für Essen, Waschen, Schlafen.
- Selbstständigkeit erhalten. Lassen Sie Ihren Angehörigen tun, was er noch kann – auch wenn es länger dauert.
- Beschäftigung, die zu ihm passt. Alte Hobbys, Musik von früher, Fotos, Spaziergänge.
- Nicht persönlich nehmen. Vorwürfe oder Misstrauen sind Teil der Krankheit, nicht gegen Sie gerichtet.
Entlastung für Sie
Die Begleitung eines Menschen mit Demenz ist besonders anstrengend. Holen Sie sich früh Hilfe:
- Betreuung zu Hause durch anerkannte Helferinnen – bezahlt über den Entlastungsbetrag von bis zu 131 € im Monat
- Tagespflege mit Demenz-Erfahrung – feste Tage, an denen Sie Luft haben. Mehr zur Tagespflege
- Angehörigengruppen und kostenlose Pflegekurse – Austausch mit Menschen, die genau verstehen, was Sie erleben
- Alzheimer-Telefon: 030 259 37 95 14 (Mo–Do 9–18 Uhr, Fr 9–15 Uhr)
Nach der Diagnose
Das können Sie jetzt tun
- Einen Arzttermin vereinbaren, wenn noch keine Diagnose da ist.
- Die Vollmacht angehen – je früher, desto besser.
- Das Alzheimer-Telefon anrufen und sich beraten lassen. Sie müssen das nicht allein schaffen.
Häufige Fragen
Bekommt man mit Demenz einen Pflegegrad, obwohl man körperlich fit ist?
Ja. Bei der Begutachtung zählen Gedächtnis, Orientierung und Verhalten ausdrücklich mit. Mit unserem Pflegegrad-Rechner sehen Sie, welcher Pflegegrad realistisch ist.
Was tun, wenn mein Vater nicht zum Arzt will?
Das ist häufig. Sprechen Sie zum Beispiel von einem allgemeinen Gesundheits-Check und informieren Sie die Hausärztin vorher über Ihre Beobachtungen. Drängen hilft selten – Geduld und Vertrauen schon.
Darf meine Mutter mit Demenz noch Auto fahren?
Eine Diagnose bedeutet nicht sofort ein Fahrverbot. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird Fahren aber gefährlich. Sprechen Sie das früh mit der Ärztin an – das nimmt Ihnen die Rolle des Überbringers schlechter Nachrichten ab.
Quellen
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Infoblatt Häufigkeit von Demenzerkrankungen (Stand September 2026)
- Bundesfamilienministerium: Informationen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
- Stadt Münster: Diagnostik und Therapie bei Demenz
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